Die vorhergegangenen Wochen versprachen keine gute Ausgangslage für die Gespanne. Die anhaltende Hitze und die Trockenheit sind bekanntlich Gift für die Fährten. Aus diesem Grund wurde der Beginn der Prüfung zur Sicherheit eine Stunde vorverschoben. Wie üblich nimmt der Mail und Telefonverkehr zur Prüfungsleitung vor einer Prüfung zu, hier noch eine Frage dort noch eine Unsicherheit, die das Nervenkostüm der Hundeführer strapazieren. Alle Hundeführer und Gäste waren dann aber pünktlich am Treffpunkt, die Gäste eher lachend, die Hundeführer entsprechend angespannt.
Die Fährten wurden am Vortag bei strömendem Regen gelegt. Der Regen setzte ein als wir das Auto verlassen hatten und hörte auf, als wir nach dem Fährtenlegen wieder ins Auto gestiegen sind. Eine Dusche ist im Vergleich eine relativ trockene Angelegenheit.
Vier Gespanne waren gemeldet, davon drei Hunde aus dem gleichen Wurf. Das erste Gespann durfte sich auf der «Bernd Bauer Gedenkfährte» versuchen. Damit wir nicht den ganzen Hangaufwind und damit die ganzen Frischwitterungen auf der Fährte hatten, wurde die Fährte etwa 20 Meter von der Hangkante weg angelegt, mit dem Nachteil, dass die ersten 300 m durch Buchenjungwuchs führten. Die Nervosität des Hundeführers übertrug sich auf den Hund, der aber – anstelle von erhöhter Nervosität – drei Gänge zurückschaltete und die Fährte sehr langsam, bedächtig und breit ausarbeitete, was den Adrenalinspiegel am hinteren Ende der Leine fast zum Überlaufen brachte. Aber der Hund hat schlussendlich die Prüfung geschafft, und das ohne Abruf.
Das zweite Gespann hatte im Vorfeld das Problem, dass frische Wildspuren den Hund völlig aus dem Konzept geworfen haben. Als wir die Fährte gelegt haben, stand zuerst ein Reh auf, dann kam uns völlig entspannt ein Fuchs im strömenden Regen entgegen und zu guter Letzt stand kurz vor Ende der Fährte eine Rotte Sauen auf. Vorzeichen eher schlecht. Der Hund arbeitete die Fährte in traumhafter Sicherheit aus. Erst als er in die Nähe des mutmaßlichen Kessels kam, ließ er sich etwas ablenken, schaffte aber die letzten 50 m auch noch.
Die dritte Fährte wurde von einem Gespann ausgearbeitet, welches sich hauptsächlich im Gebirge bewegt. Auf den ersten ca. 80 m war der Hund von der ungewohnten Vegetation etwas irritiert. Was wir dann aber erleben durften, war für uns Richter ein eher seltener Genuss. Der Hund führte den Hundeführer mit einer absolut souveränen Sicherheit und Ruhe zum Stück, wie ich es selber noch nie erlebt habe. Nicht links, nicht rechts, zwei Straßenquerungen ohne zu zögern ausgearbeitet. Das war der Traum aus dem Schweisshundelegenden entstehen. Ein kurzer Blickaustausch zwischen den zwei Richtern und es war klar, die 9 war hier angebracht.
Das vierte Gespann, Geschwister von Gespann 1 und 3, ging dann die Sache ganz anders an. Achtung fertig los und der Sprint begann. 600 m in relativ hohem Tempo, zentimetergenau auf der Fährte. Ich machte mir schon Gedanken, wie ich eine zweite 9 Bewertung am gleichen Tag beim Prüfungsobmann rechtfertigen soll 😊 Doch dann schlug plötzlich der Plott durch, der doch lieber den Frischfährten hinterher wollte. Der Hund war einfach zu lesen und der Hundeführer erfasste die Situation richtig, legte den Hund ab und gönnte sich, dem Hund und auch den Richtern eine Pause. Nach diesem Break arbeitete der Hund dann wieder in sicherer Manier weiter und führte das Gespann zum Stück. Leider nicht die 9, aber ein sehr gute 8.
Fazit dieser Prüfung, alle Hunde haben bestanden und eine erfolgreiche Zukunft vor sich. Wir wünschen den Hunden und den Hundeführern viel Suchenheil in der Zukunft.
Beim anschließenden entspannten Aser wurden dann die üblichen Geschichten ausgetauscht und das Verhalten des Hundes gerechtfertigt, wie das so üblich ist.
An diese Stelle danke ich allen Helferinnen und Helfern für die tatkräftige Unterstützung.

Werner Stauffacher

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